Tür zu es rauscht

 

Witten  

Krasnojarsk  

 

 

 

 

 

Wenn es zieht machen wir die Tür zu, warum nicht wegen des plötzlich aufkommenden Kraches in der Umgebung?
Die Installation, "Tür zu, es rauscht !" macht "raumlose" Türen zu Lautstärkereglern. Zwei Tonspuren werden je nach Türbewegung gesteuert. Der Klang wandert vom Rahmen in den Fußboden. Der Passant kann der Illusion, Klänge und Geräusche im öffentlichen Raum steuern zu können, nachgehen. Da ich die vorhandenen Geräusche nicht abstellen kann, füge ich durch das Öffnen der Türen akustische Ereignisse hinzu. Lässt man diese eine Weile wirken und schließt danach die einzelnen Türen, erfährt man durch Reduktion der Geräuschkulisse die verbleibenden Hörereignisse um so stärker.

 

Ursprüngliches Erlebnis

Ein Professor der Philosophie hielt einen Vortrag zu einem Symposium, welches im Freien stattfand. Er sprach vor einem leer und allein stehenden Bahnhofsgebäude. Direkt in seiner Nähe befand sich die offen stehende Tür zum Warteraum. Ab und zu fuhren auf den noch intakten Gleisen hinter dem Bahnhof Züge vorbei. Da in diesen Momenten der Geräuschpegel stark anstieg und der Vortragende Schwierigkeiten hatte sich stimmlich durchzusetzen, machte er instinktiv die offene Tür des Gebäudes für den aufkommenden Krach verantwortlich, schloss diese unbewusst, um so das Geräusch zu mindern. Allerdings ohne Erfolg, da der Zuglärm links und rechts am Gebäude vorbei ungehindert zu den Ohren des Vortragenden und seiner Zuhörerschaft gelangen konnte. Nach dieser grotesken Situation fiel es mir allerdings schwer, dem Vortrag weiterhin mit der nötigen Aufmerksamkeit zu folgen.
Wenn es zieht machen wir die Tür zu, warum nicht wegen des plötzlich aufkommenden Kraches in der Umgebung? Da es sich um eine Situation im Freien handelte, keimte in mir der Wunsch auf, einzelne Geräusche und Klänge in einer Stadtsituation einfach ausblenden und damit steuern zu können. Die Vortragssituation des Philosophen zeigte sehr deutlich, dass die Tür ohne den Raum, den sie abschließen oder öffnen soll ziemlich sinnlos ist. Wie groß müsste der Außenraum aber sein, um die jeweiligen Geräusche zu eliminieren ohne uns selbst in einen schalltoten Raum einschließen zu müssen? Dabei denke ich auch an Türen, die in Schallmauern von Autobahnen eingebaut sind.
Die Installation, "Tür zu, es rauscht !" macht "raumlose" Türen zu Lautstärkereglern. Der Passant kann der Illusion, Klänge und Geräusche im öffentlichen Raum steuern zu können, nachgehen.